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Firma Stromer wird an franz. Investoren verkauft
#11
(20.05.2021, 16:59)liggi schrieb: Ist das jetzt gut oder schlecht? Huh Big Grin

Phase 1


2009: Thömus Veloshop, ein kleiner aber bekannter Schweizer Mountainbike Hersteller, bringt den Stromer auf den Markt. Zum ersten Mal sieht ein E-Bike nicht aus wie Altersmobilität. Der Akku sitzt nicht wie ein Furunkel auf dem Rahmen, kann aber ohne Werkzeugeinsatz entnommen werden. Die schnellsten Modelle laufen über 50km/h. Die Bestellungen türmen sich, es kommt gar zu Wartezeiten.

Doch die für den Asiatischen Markt passende Technik hält vielfach den Anforderungen der Schweizer Velofahrer nicht stand. Als erster Schritt übernimmt die myStromer AG, wie das StartUp heisst, die Firmware. Schon damals war klar, dass eine auf unsere sportliche Fahrweise zugeschnittene Programmierung der Schlüssel zum Erfolg ist.

Phase 2

Andy Rhis steigt ein. Er ist nicht nur ein Investor sondern auch Velofreak und Mäzen. Mit viel Geld ermöglicht er die Entwicklung des ST2. Dieser Stromer ist eine Revolution für die ganze Branche. Von 36V wird auf 48V umgestellt, die hitzesensible Elektronik verlässt den Motor, der Motor selbst wird neu konstruiert. Das Bike erhält SIM-Karte und GPS Modul, für Updates ist kein Werkstattbesuch mehr nötig. Die Wegfahrsperre lassen die Diebstahlrate auf Irrtümer sinken.

Die OMNI App wird erfunden und erweitert den Funktionsumfang. Erstmals gibt es individuelle Einstellmöglichkeiten für den Motor. Aber der ST2 kann auch völlig ohne Mobiltelefon genutzt werden. Bis heute gelang es den Mitbewerbern nicht, den vollen Umfang der Technologie zu Kopieren.

Phase 3

Nach dem Tod von Andy Rhis muss sich die Firma neu aufstellen. Eine Gruppe Schweizer Investoren steigt ein. Zunächst ist ein schmerzhafter Schrumpfungsprozess angesagt. Dann folgt die Transformation vom StartUp mit den Bike-Freaks zum Industriebetrieb in KMU-Grösse mit Fachingenieuren. Die internen Prozesse werden der Produktionsmenge angepasst, die ganze Fima wird professioneller. Gleichzeitig wächst die Fima wieder.

Der ST5 kommt auf den Markt. Neu mit 27½“ Rädern. Das bisherige Spitzenmodell ST2s, welches bereits mit dem Feinsten ausgestattet war, wirkt daneben geradezu zierlich. Der ST5 ist die Spitze der Commuter Bikes – nicht nur bei Stromer sondern der Branche. Es folgen der Reihe nach der ST3, welcher die flexible Mittelklasse darstellt, dann das Einsteigermodell ST1 und der besondere ST2.

Aus dem StartUp, das mit Risikokapital von Ernst Thomke und anderen anfing, ist eine profitable Firma geworden – in weniger als 10 Jahren. Eine Erfolgsgeschichte, die nicht selbstverständlich ist. Ein Blick auf den Friedhof der Stromer-Konkurrenten zeigt dies.

Phase 4

Die Firma wird von einer Beteiligungsgesellschaft übernommen. Aber was ist Private Equity und was machen die?

Die Heuschrecken: Sie lösen die wertvollen Bestandteile einer Firma heraus und verkaufen sie mit Gewinn. Zurück bleibt eine kaum lebensfähige Firmenhülle. Das ist vergleichbar mit afrikanischen Heuschrecken, die einfliegen, alles kahlfressen und weiterziehen.

Die Sanierer: Nachdem eine gut laufende Firma in Schieflage geriet – etwa durch eine missglückte Übernahme oder Expansion – wir die Firma aufgekauft und saniert, was meist mit Entlassungen verbunden ist. Nachdem die Firma wieder in der Gewinnzone ist, kann der Ertrag eingefahren werden.

Die Wertverbesserer: Eine börsenkotierte Firma ist unterbewertet; meist weil ihr Potential nicht erkannt wird. Eine vollständige Übernahme ist nicht zwingend. Mit geeigneten Mitteln, was Marketing oder strategische Ausrichtung sein kann, muss der Wert, also der Aktienkurs, gesteigert werden.

Die Investierer: Die übernommene Firma läuft bereits gut, hat aber überdurchschnittliches Wachstumspotential. Dieses muss realisiert werden, was strategische und operative Eingriffe erfordern kann. Der im Vergleich mit gleichartigen Firmen höhere Gewinn ist der Ertrag des Investments.

Die myStromer AG ist weder in Schieflage noch besitzt sie wertvolle Immobilien und Börsenkotiert ist sie auch nicht. Die Frage ist daher: Woher soll das überdurchschnittliche Wachstum kommen? Das naheliegendste wäre der Einstieg in den Wachstumsmarkt der 25er. Längerfristig würde dies die 45er Stromer firmenintern an den Rand drängen.

Der Ausbau der 45er Modellpalette wäre eine weitere Option. Doch der Verkauf krankt nicht an den Modellen sondern an der Anzahl kompetenter Servicestellen. Das wäre besonders bei der Erschliessung neuer Märkte ein Knackpunkt. In der BRD kommt die Erwartungshaltung der Konsumenten als Hindernis hinzu.

Ich bewerte die Aussichten in Bezug auf jene, die bereits mit einem Stromer unterwegs sind, als verhalten positiv, da ich nicht mit einer grossen Flurbereinigung bei Stromer in Europa rechne.

Das Bild zeigt lediglich die äusseren Unterschiede, aber die "inneren Werte" sind hier ja bestens bekannt:


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#12
Die myStromer AG hat per 11. Juni 2021 eine Kapitalerhöhung von Nominal 376'370 Franken, also um 75'274 Aktien durchgeführt. Neu beträgt das Aktienkapital 7'527'420 Franken.

Ich nehme an, dies dient einer Sonderzahlung an die Aktionäre im Rahmen der Handänderung.

Weil die Aktien der myStromer AG ausserbörslich gehandelt werden, kann keine Aussage über deren Handelswert getroffen werden. z.B: Eine Nestlé Aktie hat den Nominalwert von 10 Rappen, kostet aber deutlich über 100 Franken.
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#13
(22.05.2021, 20:53)Qwurdi schrieb: Der bis jetzt geringe Marktanteil ist eine unglaubliche Chance, keine unüberwindbare Hürde. Und Stromer könnte die Antwort auf bisherige Fehler sein. Denn alle anderen Branchen zeigen (Auto, computer, smartphone) dass man zuerst Premiumprodukte einführen sollte und dann später mit Volumen Geld verdienen kann. Der bisherige Ansatz in Deutschland, günstige bikes einzuführen hat nicht geklappt, die Kisten waren zu unzuverlässig. Allerdings muss da Stromer selbst auch ordentlich zulegen. Ich habe letztes Jahr in der Wut letztlich meinen St5 verkauft...

Kann mir aber schon vorstellen dass man mit einer ordentlichen Werbekampagne die ganzen gutverdienenden Grünen zu diesem an sich genialen Konzept überreden kann. Da schlummert in Deutschland ein gewaltiges Marktpotential!

Ich stimme Dir vollkommen zu, insbesondere was das Potenzial von S-pedelecs (in Deutschland zumindest) angeht. Ich habe mich lange von der realitätsfremden Gesetzgebung hierzulande davon abhalten lassen, ein S-Pedelec zu kaufen. Normale Pedelecs waren mir zu langsam, die Aussicht mit dem 45er keinerlei Radwege mehr benutzen zu dürfen, hält sicherlich viele von einem Kauf ab. Dass man genau dies in der Realität rücksichtsvoll aber problemlos tun kann, muss man erst er"fahren".

Eine sinnvollere Gesetzgebung und vernünftige Radwege und die S-Pedelecs würden hier nochmal massiv zulegen. Ich sehe im Schnitt ein bis zwei 45er im Monat, normale Pedelecs pro Strecke zig mal, mehr als normale Fahrräder.

Allerdings wünsche ich Stromer hierzulande auch mehr ersthafte Konkurrenz, da die Preise wirklich gepfeffert sind. Überlege seit längerem, eine Federgabel an meinem (gebraucht gekauften) ST5 nachzurüsten, aber 1.000€ bin ich rein aus Prinzip nicht bereit, dafür auszugeben. Solche absurden Preise kann man nur nehmen, wenn man praktisch keine Konkurrenz hat. Da dürfte sich gerne was tun.
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#14
(08.07.2021, 14:00)sendtime schrieb: Überlege seit längerem, eine Federgabel an meinem (gebraucht gekauften) ST5 nachzurüsten, aber 1.000€ bin ich rein aus Prinzip nicht bereit, dafür auszugeben. Solche absurden Preise kann man nur nehmen, wenn man praktisch keine Konkurrenz hat. Da dürfte sich gerne was tun.

Die USD Gabel für den ST5 ist konkurrenzlos!

Oder kennst Du etwa eine andere Federgabel, welche die Geometrie (Lenkeigenschaften) eines Velos im Vergleich zur Starrgabel nicht verädert? Und welcher andere Hersteller baut USD Gabeln für Velos? Und welche Gabel hat einen so sicheren weil geringen Federweg?

Aber schau mal bei FOX rein, was eine Top-Gabel für MTB so kostet.
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#15
@bluecat: das glaube ich gerne, was die Performance angeht.

Ich bin jahrelang MTB gefahren und hatte diverse Modelle von Marzocchi in meinen Rädern. Ich bin mit 200-300€ Federgabeln die Freeride Strecken der hiesigen Bikeparks runter geschreddert, mit teilweise 10m weiten Sprüngen und allem was dazu gehört. Da sind im Vergleich 1.000€ für eine reine Straßenfedergabel, die bei weitem nicht solche Belastungen aushalten muss, schon eine Nummer.

Eine Pike oder Lyric gibts für die Hälfte der Stromer Gabel, und die sind nicht gerade für schlechte Performance bekannt. Zudem haben alle Stromer als Hardtails das Problem, dass, auch wenn die Gabel den Schlag auf die Hände reduziert und die gefederte Sattelstütze den Allerwertesten schont, sowohl der Motor als auch das Gepäck die Schläge der Bodenwellen und Schlaglöcher ungefiltert abbekommen. Soll heißen, ich würde auch mit der Gabel nicht schneller auf schlechten Wegen fahren, weil ich das dem Heck nicht zumuten möchte. Dafür kann die Gabel nichts, aber das steckt für mich halt den Rahmen ab, den ich bereit bin, zu investieren.
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#16
(12.07.2021, 11:49)sendtime schrieb: Soll heißen, ich würde auch mit der Gabel nicht schneller auf schlechten Wegen fahren, weil ich das dem Heck nicht zumuten möchte.

Die Aufgaben der Gabel im MTB Bereich sind eine progressive Kennlinie zu haben, damit die Gabel bei der Landung nicht durchschlägt und einen vernüftigen Rebound zu haben, damit Du nach der Landung nicht wie ein Gummibällchen davon hüpfst. Das Angebot an Erst- und Nachrüstgabeln ist riesig, weil der Markt riesig ist und Velos keine Zulassung benötigen.

Die Teerkanten und Dolendeckel, wauf welche ein Stromer treffen kann, sind kaum halb so hoch wie der Pneu breit - aber sie kommen mit Stromer Tempo. Daher ist hier Reaktionsgeschwindigkeit alles. Das trifft auch auf die Sattelstüze zu, daher gibt es dort keinen Gummiklotz sonder die BodyFoalt / Kinekt mit Stahlfeder. Der Nachteil ist, dass der Abstand von Sattel zum Pedal durch das Einfedern variiert.

Das hat seinen Preis - aber mir scheint, die Strecke welche Du zu fahren gedenkst ist illegal - zumindest für zugelassene Fahrzeuge...
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#17
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Die Teerkanten und Dolendeckel, wauf welche ein Stromer treffen kann, sind kaum halb so hoch wie der Pneu breit - aber sie kommen mit Stromer Tempo. Daher ist hier Reaktionsgeschwindigkeit alles.

Das hat seinen Preis - aber mir scheint, die Strecke welche Du zu fahren gedenkst ist illegal - zumindest für zugelassene Fahrzeuge...
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Und mir scheint, du hast keine Ahnung von unseren Straßenverhältnissen. Einige Straßen hier sind in einem so bemitleidenswerten Zustand, dass ich deswegen ganze Viertel in der Stadt meide. Bei zwei alternativen Routen gewinnt die mit dem besseren Belag, wenn beide gleich sind, die mit weniger Autoverkehr. Außerorts fahre ich meist auf Radwegen, wie so ziemlich jeder, der nicht komplett lebensmüde ist. Auch dort gibt es Ecken, in denen aus dem Nichts massive Schlaglöcher auftauchen.. irgendwann kennt man die Strecken, die sich gut fahren lassen, und meidet den Rest einfach wo es eben geht.

Die unterschiedlichen Anforderungen, insbesondere an die Reaktionsgeschwindigkeit, finde ich absolut nachvollziehbar.
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#18
Mit der heutigen Publikation im SHAB kennen wir nun den neuen Verwaltungsrat der myStromer AG:

Nicht mehr dabei sind:

Schwab, Stefan
Binggeli, Thomas
Müller, Stephan
Noser, Rudolf

Neu in der Firma sind:

Pergovácz, Peter
Aveillan, Eric
Brenninkmeijer, Benedickt

Neu im Verwaltungsrat ist:

Luksch, Jakob

Thömu hat "sein" Unternehmen verlassen, was ein logischer Schritt ist. Er hat dies auch ausführlich begründet. Neu ist der bisherige erfolgreiche Geschäftsführer in den Verwaltungsrat aufgerückt. Weil in der Schweiz die Doppelrolle CEO & VR möglich ist, nehme ich an, er behält die operative Führung bei.

Um die Transaktion abzuwickeln wurde zuvor die Stromer AcquiCo AG und die Stromer HoldCo AG gegründet. Das äussere Zeichen der Übernahme ist Eric Aveillan, der CEO von Naxicap, der nun dem neueuen Verwaltungsrat der myStromer AG angehört.

Die weiteren bisher unterschriftsberechtigen Personen bleiben der Firma erhalten, was  auf Kontinuität hinweist.


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#19
Der Stromer wurde von Thömus erfunden. Das war nicht unbedingt naheliegend, aber ein Glücksfall. Denn bei Thömus macht man keine halben Sachen. Desahlb wurde nicht verzeifelt versucht, Motor und Akku in einen bestehenden Rahmen zu murksen - sondern das Bike wurde um die Komponenten herum aufgebaut. Und weil Thömus damals schon eine kleine, aber legendäre MTB-Firma war, geriet der Stromer entsprechend.

Die myStromer AG ist längst eine selbstständige Firma, selbst ihr Gründer ist nicht mehr dabei. Aber er weiss noch immer, wie ein Velo sein muss. Und er hat sein eigenes, von Ralph Näf geführtes Rennteam. Spitzenfahrer Mathias Flückiger holte an der Olypiade in Japan auf einen Thömus Lightrider die Sibermedallie im MTB (XC).

Wieviel "Lightrider" steckt noch in einem Stromer? Nun, wer das Glück hat, einen ST2s oder ST5 zu fahren weiss: Eine ganze Menge!


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#20
(27.07.2021, 17:52)bluecat schrieb: Wieviel "Lightrider" steckt noch in einem Stromer? Nun, wer das Glück hat, einen ST2s oder ST5 zu fahren weiss: Eine ganze Menge!

Wie meinst du das genau?

Deine Hintergrundinfos sind auf jedenfall immer sehr spannend, ich hoffe du bleibst dem Forum noch lange erhalten!
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